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Die Suche nach einem Android Einsteiger-Tablet

Nachdem wir zu Weihnachten einer hochmobilen 66-Jährigen einen Tablet schenken wollten und dabei unangenehme Erfahrungen gemacht haben, möchte ich an dieser Stelle für geneigte Nachahmer Warnungen aussprechen; dass im Android-Tablet-Bereich noch nicht alles Gold ist, was glänzt, war klar, aber dass Preisdumping auf Kosten der Benutzbarkeit betrieben wird, ist doch ein starkes Stück.

Anforderungen im vorliegenden Fall waren folgende:

- Es sollen mobil Schnappschüsse gemacht werden können. Die Fotos müssen keinesfalls professionell sein, sollen aber die in die Jahre gekommene Digitalkamera, die überall mit dabei ist, ersetzen.
- Um Skizzen und eigene Bilder zeigen zu können, soll es möglich sein, Fotos von Tischvorlagen zu machen ("Scan für Arme").
- Es soll möglich sein, mobil Email/SMS zu senden und zu empfangen. Das Gerät ist zudem das erste mit Internetanbindung im Haushalt, ein reines WLAN-Tablet schied also von Anfang an aus.
- Es soll genügend Platz für die gesamte bisher digital gesammelte Bildersammlung und eine geeignete Fotogalerie zum Browsen vorhanden sein.

Zusätzlich:

- Es soll möglich sein, schnell etwas im Internet nachzuschlagen.
- Auf lange Sicht schadet das Google Navi nichts.
- Nach und nach darf der Play Store Begehrlichkeiten wecken.

Das Ding braucht also eigentlich "nur" eine geeignete Kamera, 3G sowie Eignung und Zugang zum Play Store für weitere Software. GPS a plus. Für die Einsteiger-Use Cases wäre ein Preis möglichst unter 200€ schön.

Es boten sich verschiedene Lösungen an (alle 7 Zoll, alle mit Android 4)

"Billigheimer": Archos Arnova 10d G3 (112€)
- Prahlt mit 3G ready. Tatsächlich handelt es sich um die Interaktionsfähigkeit mit einer beschränkten Liste externer UMTS-Sticks, die manuell(!) konfiguriert werden müssen. Puh, so war das mit "einfach immer mobil sein" nicht gedacht.
- Frustrierend: Das Ding hat keine Front-Kamera.
- Erschreckend: Die eigelegte SD-Karte mit der Bildersammlung wurde erkannt, die Galerie-App kann aber keine Vorschau der externen SD-Karte generieren. Somit kann man mal schön raten, welcher der ca. 1000 Dateinamen das Bild enthält, das man zeigen möchte. Ein vorinstallierter alternativer Viewer stürzt gleich völlig ab.
- Sinnlos: Es gibt keine Kontakte-App - will man SMS oder Emails verschicken, muss man die Daten schon auswändig wissen.
- Lachhaft: Die verpfuschte PlayStore-Installation: Man kann schlicht keine weitere Software herunterladen.

Fazit: Danke für das Gespräch.

"Teuer, aber auch nicht viel besser": Nexus 7 (299€)


- Für ca. den doppelten Kaufpreis des Arnova verspricht das Nexus 7 handliche Eleganz, erst für den dreifachen ist auch 3G mit an Bord.
- Frustrierend: Es gibt keine Möglichkeit, eine externe SD-Erweiterungskarte einzulegen. Das nimmt viel Flexibilität.
- Ungeeignet: Das Nexus 7 hat schlicht keine Frontkamera. Ich wollte es erst nicht glauben, ist aber so (auf dem Foto oben deutlich zu sehen)...

"Die grundsolide Lösung": Lenovo Ideapad A2107-H (199€)

- Die Use Cases sind abgedeckt: Immerhin eine 2MP Frontkamera und ein externer SD-Karten-Slot ermöglichen volles Bildvergnügen in beiden Richtungen.
- Zusätzlich ermöglichen zwei SIM-Karten-Steckplätze Dual-SIM-Betrieb: ich kann mir aussuchen, auf welches Netz ich SMS versenden will und wo die Datenflat gebucht ist. Klasse!

Ich hätte es nie vermutet, dass abseits von ASUS Transformer und Samsung Galaxy Tab solche einfachen Standardansprüche (Mobilität statt Wohnzimmer, Handtasche statt Lederetui, Fotos machen statt Medien kaufen) tatsächlich am besten von Lenovo umgesetzt sind - nachdem ich das entsprechende Gerät auf der Arbeit schon in Händen halten durfte, bin ich schwer begeistert. Jetzt muss unser Geschenk nur noch in der Praxis zeigen, dass es auch gefällt und durchhält.

Kommentare:

  1. Freut mich das ihr das perfekte Gerät gefunden habt. Ich würde das nicht so negativ sehen sondern eher positiv als vielfältige Auswahl bezeichnen. Wenn es nur Geräte in maximaler Ausstattung gäbe müsste man sich wohl mit iPad Preisen anfreunden; und wer da dann eine kleines Gerät mit hochauflösendem IPS Display wie beim Nexus 7 mochte hat dann zwecks fehlender Auswahl einfach Pech gehabt. Bei kleineren Details wie der nicht vorhandenen Rear-Kamera geb ich dir allerdings recht da die Kameras ja kaum was kosten hätte es sicher nichts geschadet eine dazu zupacken - auch wenn man sie dann vielleicht nicht braucht.

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  2. Klar, gelobt sei die Vielfalt von Android - wie gesagt: für mich das Erstaunliche ist, dass die Nutzungsszenarien in unserem Fall offensichtlich so abseits der Hauptzielgruppe liegen, dass man mit Lenovo bei einem Nischenprodukt suchen muss... Wie muss ich mir dann den Standard-7Zoll-Tablet-Nutzer vorstellen? Jemand, der nur zuhause auf der Couch sitzt, Medien konsumiert, daddelt oder eBooks liest? Das mag ich irgendwie nicht glauben... Leider finde ich im Netz nichts über Nutzerstudien - die wahrscheinlich im Moment sowieso mit Veröffentlichung veraltet sind...

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    1. Aus meiner subjektiven Tableterfahrung würde ich tatsächlich sagen das die Geräte eher mit dem Notebook zuhause als mit Mobiltelefon und Kompakt-Kamera konkurrieren. Wer unterwegs informiert sein will nimmt ein Smartphone und hat die Digitalkamera je nach Anspruch gleich mit erschlagen. Das Tablet ist auch mit 7 Zoll noch zu unhandlich als Kamera - aber gut ich gab auch keine Handtasche :-) Ein zusätzlicher SDSlot ist natürlich immer schön seit die Standartaustattung die 8GB überschritten hat tut es not nicht mehr allzu weg wenn wert fehlt. Zum Datenaustausch aller Art kann man ja die USB Schnittstelle oder das Web mit GoogleDrive, Dropbox und co benutzen.

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    2. Hm, noch mal zurück in die Anforderungsliste:

      "Es sollen mobil Schnappschüsse gemacht werden können." Stimmt, das macht der Durchschnitts-User wohl mit der Smartphone-Kamera.

      "Um Skizzen und eigene Bilder zeigen zu können" Das ist wohl ein typischer Tablet-Use Case, durchaus portabel gedacht. Studenten haben mir schon so ihre UML-Diagramme "abgegeben". Wie macht das der Durschnitts-User, wenn er wo zu Besuch ist?

      "Es soll möglich sein, mobil Email/SMS zu senden und zu empfangen." Macht der Durchschnitts-User wohl auch mit dem Smartphone.

      "Es soll genügend Platz für die gesamte bisher digital gesammelte Bildersammlung sein" Da hört der Spaß spätestens bei 8GB schon auf.

      Ich gebe zu, dass insgesamt wieder ein eierlegende Wollmilchsau-Anspruch an das Gerät vorliegt, weil es ja sonst weder internetfähige PCs noch Smartphones im Haushalt gibt. Das ist für Senioren aber evtl. durchaus typisch. Und nachdem das in Zukunft die vermutlich einzige nicht-prekäre Altersgruppe ist, wäre es schon fahrlässig, das Potential links liegen zu lassen...

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