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Wenn die LED dreimal blinkt

Es ist sonst nicht meine Gewohnheit, aber heute muss ich lästern. Ich verabscheue die Bewertungskultur im Netz, aber dieses Produkt hat mich in den Wahnsinn getrieben und das sollte man so auch benennen.

Konkret geht es um den GPS-Logger WinTec WBT 202, ein etwas angestaubtes Konzept im Zeitalter von Smartphones, aber immer noch ein zuverlässiger Vertreter einer Gattung von Geräten, die, da auf einen Einsatzzweck optimiert, weit genauer arbeiten und dabei länger durchhalten als ihre stromhungrigen Pendants in Form von Handy-Apps. Indes das Nutzerinterface...

Wer sich das Gerät ansehen will: Hier gibt es das Handbuch. Was alles blinken kann, steht auf Seite 4 (Seite 7 im PDF)

Also: Dass es nur drei LEDs gibt und nur zwei Schalter ist nicht das Problem - das ist angesichts der bei einem GPS-Logger limitierten Use Cases nachvollziehbar - das Verhalten indes nicht.

Beispiel 1: Einschalten

Idee: einfach mal kurz auf die Power-Taste drücken. Von wegen: 
"Halten Sie die  Power-Taste länger gedrückt (ca. 3 Sekunden), um den Wintec WBT-202 einzuschalten."
Auch das hilft nichts. Immerhin schaltet sich das Gerät ein, sobald man länger als drei Sekunden drückt und die Taste dann wieder loslässt.

Beispiel 2: Beginnen eines neuen Tracks

Idee: einfach mal kurz auf die Flag-Taste drücken. Kein neuer Track da.
"Drücken Sie die POI-Taste so lange gedrückt, bis die grüne GPS LED erlischt. Nun wurde die Aufzeichnung einer neuen Logdatei gestartet."
Gut, sehe ich ein, dass kürzer Drücken sinnvoller mit "Wegpunkt setzen" belegt ist.

Beispiel 3: Gerät in den USB-Modus schalten.

Jetzt wird es spannend: Beim Vorgänger WBT-201 musste man das Gerät per Treiber einem virtuellen COM-Port zuweisen und die Baud-Rate einstellen. Das verspricht jetzt einen Komfortgewinn. Durch das beiliegende Kabel lässt sich das Gerät schnell an einen freien USB-Port anschließen.
"Drücken Sie die Power-Taste länger (ca. 3 Sekunden), bis die GPS LED und die Bluetooth LED ausgehen. Nun befinden Sie sich im MSD-Modus. Dies wird erkennbar durch die orange MicroSD LED, die gleichzeitig angehen sollte."
Aha. Also gedrückt, LED gehen aus. Nichts. Hm. Wieder einschalten? Fehlanzeige. Also erst mal entnervt den Akku raus und wieder eingelegt. Was es zu lernen gilt: Es muss etwas länger gedrückt werden, als bis die beiden LEDs erlöschen (ca. eine vierte Sekunde), die orange LED geht aber wiederum erst beim Button-Release-Event an.

Ein üblicher Signalton und kurz später bietet mir Windows an, das neue USB-Gerät als Laufwerk zu durchsuchen. Ich frohlocke schon: gleich sehe ich meine gpx-Dateien. Weit gefehlt: Das nette Gerät speichert die Tracks in einem proprietären Binärformat, genannt TES. Und jetzt?
"Die vorinstallierte PC Software WBT-Tool, sollte mit folgendem Dialog automatisch starten. Wählen Sie hier bitte “WBT_Tool” aus und klicken auf “OK”."
 Aha, im Stammverzeichnis der Speicherkarte liegt tatsächlich eine WBT_Tool.exe. Die hilft also wie früher das COM-Tool. Also rasch auf die Platte kopiert und gestartet. Nichts. Sollte ich tatsächlich... Doppelklick auf die Datei auf der Speicherkarte. Tatsächlich öffnet sich ein Fenster, das den letzten Track anzeigt: Es ist der Browser! Keine weitere Wahlmöglichkeit, einfach nur eine Visualisierung des letzten Tracks auf Google Maps-Basis. Das ist das Default Behavior?

Es erfordert ein bisschen Zeit, bis ich bemerke, dass sich das eigentliche Tool als Symbol in den Infobereich zurückgezogen hat und sich durch Klick dazu überreden lässt, im maximierten Zustand Exportmöglichkeiten für die gespeicherten Tracks anzubieten: Neben gpx und nmea sogar shp, das in ein GIS importiert werden kann.

Bis zu diesem Punkt ist indes fast eine Stunde vergangen und ich frage mich doch ernsthaft, ob WinTec jemals sein Benutzungskonzept in einer Nutzerstudie überprüft hat - ich würde es für das nächste Produkt dringend empfehlen.

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